MiFID II - Was ist zu tun?

MiFID II - Was ist konkret zu tun? 

Hend Fathy

Posted by Hend Fathy - 08.02.18 09:00

Häufig als regulatorisches Monster bezeichnet, hält MiFID II die Branche auch nach Inkrafttreten Anfang Januar 2018 in Atem. Der erwartete «Big Bang» blieb nach Meinung vieler Experten aus und doch sind die langfristigen, strategischen Auswirkungen beträchtlich. Der effiziente, in den Arbeitsalltag integrierte Umgang mit den regulatorischen Anforderungen wird zunehmend als erfolgskritischer Faktor gesehen.  Doch was bedeutet dies konkret für Banken sowie unabhängige Vermögensverwalter? Welche strategischen Entscheide sind in Hinblick auf das Geschäftsmodell zu treffen? Wann ist der Einsatz einer digitalen Plattform zur Abbildung von MiFID II besonders effizient und sinnvoll?

 

Der korrekte Umgang mit Anreizzahlungen

In Hinblick auf Anlageberatung ist ein grundlegender, strategischer Entscheid zu treffen: soll es sich dabei um sogenannte unabhängige oder nicht-unabhängige Beratung handeln? Der Entscheid hat weitreichende Auswirkungen auf den Umgang mit Anreizzahlungen und die Breite des angebotenen Produktuniversums. Im Rahmen unabhängiger Anlageberatung sowie Vermögensverwaltung dürfen Anreizzahlungen (z.B. Retrozessionen, Kick-Backs) nicht einbehalten werden. Ist kein anreizfreies Produkt vorhanden, müssen diese an den Kunden weitergegeben, d.h. «ausgekehrt», werden. Kleinere nicht-monetäre Zuwendungen dürfen einbehalten werden, sofern sie einen Mehrwert für den Kunden schaffen.

Zu beachten ist, dass in Hinblick auf den Mehrwert restriktive Kriterien anzuwenden sind. Wird die Zahlung dauerhaft geleistet, so muss auch der Mehrwert dauerhaft sein. Zudem ist der Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu wahren. Prinzipiell sind alle Anreizzahlungen und Zuwendungen gegenüber Kundenoffenzulegen. Konkret bedeutet dies, dass alle Zuwendungen nicht-monetärer Art in einer Liste geführt und der Mehrwert konkret erläutert werden sollte. Wird nicht-unabhängige Anlageberatung erbracht so dürfen Anreizzahlungen unter Beachtung des Mehrwertkriteriums einbehalten werden. Sie sind Kunden gegenüber im Rahmen der Kosten- und Gebührentransparenz offenzulegen. 

 

Wie reduziere ich das Risiko von Fehlberatungen? 

Die schon im Rahmen von MiFID I eingeführte Kundenklassifizierung als Privatkunde (Kleinanleger), Professionelle Kunde (Per Se oder auf Anfrage) sowie geeignete Gegenpartei bleibt weiterhin bestehen. Die Kundenklassifizierung ist unter anderem im Rahmen der Geeignetheits- und Angemessenheitsprüfung relevant, welche vor jeder Transaktion durchzuführen ist. Bei derart repetitiven Prozessen ist es sinnvoll, den Einsatz digitaler Lösungen sorgfältig abzuwägen. Dank einer systemunterstützten Durchführung können zeitaufwendige sowie fehleranfällige manuelle Prüfungen und Berechnungen vermieden und das Risiko von Fehlberatungen erheblich reduziert werden. Dies gilt insbesondere, da Privatkunden im Falle von Anlageberatung eine schriftliche Erklärung der Geeignetheit zu übergeben ist. Diese kann beim Einsatz eines Tools zur Abbildung der MiFID Anforderungen systemunterstützt erstellt werden.

 

Kostentransparenz ist von grosser Bedeutung

Ein weiteres Kernelement der MiFID II sind die weitgehenden Vorgaben in Hinblick auf Kostentransparenz, die den Kunden befähigen sollen eine informierte Anlageentscheidung zu treffen. Kunden ist zu Beginn der Beziehung – neben einer Informationsbroschüre, die die wichtigsten Aspekte zum Anlegerschutz unter MiFID II zusammenfasst – eine Kostenübersicht zu übergeben, die die Kosten und Gebühren sowohl der Finanzdienstleistung als auch der Finanzinstrumente umfassend offenlegt.

Vor jeder Transaktion sind die Kosten und Gebühren der angebotenen Dienstleistungen und Finanzinstrumente – inklusive der durch Drittanbieter verursachten Kosten –  offenzulegen. Darüber hinaus gilt es, wie bereits erwähnt, die erhaltenen Anreizzahlungen und den Wert erhaltener Researchleistungen darzulegen. Der Effekt der aggregierten Kosten auf die Rendite muss zudem als Graphik oder in Tabellenform aufgezeigt werden, so dass der Kunde die Auswirkungen der Kosten auf die Wertentwicklung nachvollziehen kann. Schnell wird deutlich, dass auch hier die Einführung einer digitalen Lösung durchaus sinnvoll ist. 

 

Der Mehrwert von digitalen Lösungen zur Abbildung von MiFID II Anforderungen

MiFID II stellt auch im Rahmen der Berichterstattung an Kunden konkrete teils ereignisgetriebene Anforderungen, die durch den Einsatz einer digitalen Asset Management Software effizient erfüllt werden können. Ein Beispiel ist das Verlustschwellen-Reportingdas es erforderlich macht Kunden bei einem Wertverlust ihrer Vermögenswerte von 10% oder mehr innerhalb eines Tages zu informieren.

Im Rahmen des neu eingeführten Zielmarktkonzepts müssen Produkthersteller einen Zielmarkt bzw. eine Kundengruppe identifizieren, deren Bedürfnisse durch das angebotene Produkt adressiert werden. Mittels organisatorischer Massnahmen soll sichergestellt werden, dass emittierte Produkte in Einklang mit den Zielmarktkriterien sind. In diesem Zusammenhang ist es die Aufgabe der Produktdistributoren sicherzustellen, dass Produkte nur an Kunden vertrieben werden, die diesen Kriterien entsprechen. Die Zielmarktkriterien sind der Geeignetheits- und Angemessenheitsprüfung vorgelagert. Bei der Abbildung der MiFID II Zielmarktkriterien kann eine systemunterstützte Prüfung zu Effizienzgewinnen im täglichen Geschäft führen und das Risiko des Vertriebs an Kundengruppen ausserhalb des Zielmarktes minimieren.

Betrachtet man die Anforderungen der MiFID II ganzheitlich, so wird deutlich, dass die Umsetzung der regulatorischen Anforderungen mit einem beträchtlichen Zeitaufwand und Kostenanstieg verbunden sein kann.  Der Einsatz professioneller Compliance Solutions sowie einer digitalen, MiFID-kompatiblen Plattformkann bei der Umsetzung erhebliche Unterstützung leisten. Bei der Auswahl einer digitalen Asset Management Software empfiehlt es sich die Abbildung von MIFID II Anforderungen zu berücksichtigen. 

 

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Topics: Regulatorien, Digitale Vermögensverwaltung


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